Deutsche Weinexporte 2014 - Weniger Menge zu besseren Preisen

Stand: 05/12/2015
Deutschland exportiert jährlich rund 4 Millionen Hektoliter Wein. Dabei handelt es sich allerdings nicht nur um deutsche Weine, sondern zum großen Teil um ausländische Ware, die zunächst eingeführt wird und als sogenannter Reexport das Land wieder verlässt.

Der deutsche Weinbauverband hat die vorläufigen Zahlen der deutschen Netto-Weinexporte, die ausschließlich die Ausfuhr deutscher Weine berücksichtigen, für das Jahr 2014 veröffentlicht. Demnach wurden im Jahr 2014 insgesamt 1,174 Millionen hl deutscher Wein im Wert von 315 Millionen Euro ausgeführt. Im Vergleich zu den (endgültigen Zahlen) des Vorjahres 2013 entspricht dies einem Minus von 10 Prozent in der Menge und von 6 Prozent im Wert. Der Durchschnittspreis lag mit 268 Euro pro Hektoliter um 11 Euro über dem Vorjahreswert.

Qualitätsweine mit höherem Durchschnittspreis

Qualitätsweine (ab 2010: „Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung“) sind aufgrund ihrer mengenmäßigen Bedeutung und der im Vergleich zu anderen Kategorien höheren Wertschöpfung von besonderer Bedeutung für den deutschen Weinexport. Sie haben aktuell mit 856 Tausend Hektoliter einen Anteil von knapp drei Viertel an den Gesamtexporten. Sowohl Menge als auch Umsätze der exportierten Qualitätsweine gehen seit 2010 kontinuierlich zurück.


Netto-Exporte Qualitätsweine nach Menge und Wert

Die Menge lag 2014 um ein Drittel unter dem Wert von vor 5 Jahren. Auch die Erlöse aus dem Export von Qualitätsweinen sind im gleichen Zeitraum gesunken, aufgrund der gestiegenen Durchschnittspreise jedoch in weit geringerem Umfang. Der Durchschnittspreis für deutsche Qualitätsweine konnte dafür um 16 Euro auf 297 Euro/Hektoliter gesteigert werden.

Netto-Exporte Gesamt (Wert) nach Kategorien

„Andere Weine“ also Weine mit geschützter geografischer Angabe, Rebsortenweine und andere Weine ohne nähere Herkunftsangabe, spielen für die Weinexporteure eine untergeordnete Rolle. Sie stehen mit 61 Millionen Euro für nur knapp 20 Prozent der Gesamterlöse. Im Vergleich zu anderen Kategorien konnten sie sich trotz Verlusten in Menge und Wert relativ gut behaupten.

Netto-Exporte Gesamt (1,17 Mio. hl) nach Kategorien und Farbe

Weinexport nach Farbe

Aus Abbildung 3 lässt sich leicht ablesen, welch hohe Bedeutung Weißweinen im deutschen Export zukommt. 62 Prozent der Gesamtexporte entfallen auf die wichtigste Kategorie „weiße Qualitätsweine in der Flasche“, 5 Prozent auf weiße Qualitätsweine im Fass und weitere 18 Prozent auf andere Weißweine. Alles in allem sind 1 Million Hektoliter (85 %) von insgesamt 1,17 Millionen Hektoliter exportierten Deutschweinen weiß. Im Umkehrschluss entfallen 15 Prozent der Exporte auf Rotweine.


Durchschnittspreise im Export nach Anbaugebieten (Weiß/Q/F/13 max)

Mosel-Weine mit den höchsten Preisen

In der Statistik werden weiße Qualitätsweine, die das Land in der Flasche verlassen, detailliert ausgewiesen. Unter der Kategorie „Deutscher Qualitätswein weiß, Flasche“ werden 731 Tausend Hektoliter im Ausland vermarktet, 634 Tausend Hektoliter davon aus den Anbaugebieten Rheinhessen, Mosel und Pfalz. Weine aus Rheinhessen machen dabei den Löwenanteil (53%) aus, rund ein Drittel stammt von der Mosel. Pfälzer Weine spielen mit einem Anteil von 13 Prozent eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Zwar sind die Exportmengen der genannten Anbaugebiete in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich nach unten gegangen, doch konnten die Durchschnittspreise im Gegenzug deutlich verbessert werden. Moselweine sind im Ausland besonders hoch geschätzt und erzielten mit durchschnittlich 388 Euro/Hektoliter mit Abstand die höchsten Preise. Entsprechend ist der Anteil der Moselweine an den Gesamtumsätzen (44%) etwa gleich hoch wie der der rheinhessischen Flaschenweine.




Deutsche Weinexporte nach Zielregionen

Drittlandsmärkte besonders lukrativ

Seit 2010 machen deutsche Exporteure in Drittländern höhere Umsätze als in EU-Mitgliedsländern. In Drittländern werden seither um die 60 Prozent (2014: 57%) der Gesamterlöse erzielt obwohl nur rund 40 Prozent der Ausfuhrmenge dorthin geliefert wird. Deutlich höhere Durchschnittspreise bis über 4 Euro/hl für entsprechend hochwertige Weine, die in den wichtigsten Drittländern erzielt werden, erklären dieses Verhältnis.

TOP TEN – USA bleiben auf dem ersten Platz

Die zehn wichtigsten Exportmärkte, unter ihnen 5 Drittlandsmärkte (USA, Norwegen, Kanada, China, Japan) stehen für mehr als drei Viertel des Umsatzes bzw. Absatzes mit Wein. Ein Viertel davon entfällt allein auf die Vereinigten Staaten, dem wichtigsten deutschen Exportmarkt. 2014 wurden dort 208 Tausend Hektoliter Wein im Wert von 78 Millionen Euro abgesetzt. Auf dem hart umkämpften amerikanischen Markt mussten deutsche Weinexporteure seit 2010 trotz wachsendem Gesamtmarkt sinkende Erlöse und Absatzmengen hinnehmen. Es gibt auf dem amerikanischen Markt mehrere Herausforderungen für deutsche Weine (Quelle: Wines of Germany): Zunehmende Konkurrenz durch andere Anbauländer, beschränkte Verfügbarkeit deutscher Weine im wichtigen Premiumsegment 10-14 US-$ und hoher Erklärungsbedarf besonders bei Endverbrauchern.


Deutsche Weinexporte TOP 10 nach Ländern

Auch 2014 mussten deutsche Weine wieder Verluste in Menge (-11%) und Wert (-8,5%) verbuchen. Dafür stieg der Durchschnittspreis um 11 Euro auf 375 Euro/hl. Der aktuell schwache Euro macht Importe aus Europa in Amerika günstig. Es bleibt abzuwarten, ob es den deutschen Weinexporteuren gelingen wird dadurch Marktanteile zurück zu gewinnen. Denn auch italienische und französische Weine, mit deutlich höheren Marktanteilen, werden von diesem Effekt profitieren.

Auf Platz 2 und 3 im Exportranking folgen die Niederlande und Großbritannien. Norwegen belegt Platz 4. Dort sind deutsche Weine seit Jahren sehr erfolgreich und behaupteten im Weißweinbereich auch 2014 die Marktführerschaft. Der seit Jahren steigende Durchschnittspreis (2014: 437 Euro/hl) ist Spiegel dieser Erfolgsgeschichte und führte 2014 zu einer erneuten Steigerung des Exportwertes.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass Russland in 2014 nicht mehr unter den TOP TEN der Exportländer vertreten war. Vorher wurden vor allem liebliche und nicht sehr hochwertige Weine zu relativ niedrigen Preisen nach Russland geliefert. Die Weinexporte sind gegenüber dem Vorjahr aufgrund der Ukrainekrise und ihrer Folgen regelrecht eingebrochen. Die Gesamtexporte gingen gegenüber dem Vorjahr um 32 Tausend Hektoliter zurück. Dies hat spürbare Effekte nicht nur auf den deutschen Exporterfolg sondern auch den deutschen Fassweinmarkt.


Deutsche Weinexporte (Wert) nach Norwegen und andere skandinavische Länder

China – kein einfacher Markt

China ist in aller Munde und auch viele deutsche Weinlieferanten setzen nach wie vor große Hoffnung auf diesen aufstrebenden Markt. Tatsächlich konnte 2014 die Exportmenge (+2%) bei stabilem Exporterlös leicht gesteigert werden. China ist jedoch kein leicht zu bearbeitender Markt. Die Exportabwicklung ist kompliziert, insbesondere seit die chinesische Regierung wegen des Antikorruptions-Programms die Auflagen verschärft hat. Hinzu kommen Sprachbarrieren, unterschiedliches Geschäftsgebaren und andere Hürden.

Fazit

In 2014 gab es für deutschen Wein Rückgänge in Exportmenge und –wert. Die gute Nachricht lautet, dass der Durchschnittspreis über alle Länder und Weinqualitäten betrachtet um 10 Euro auf 268 Euro/hl gesteigert werden konnte. Das wichtigste Segment (deutscher Qualitätswein, weiß, in Flaschen) konnte sogar für durchschnittlich 305 Euro/hl (+ 14 €) exportiert werden. Dies spiegelt die wachsende Wertschätzung dieser Weine im Ausland wider, für die Weinexporteure bedeutet es steigende Wertschöpfung.






karin.rheinschmidt@dlr.rlp.de     www.Weinmarketing.rlp.de drucken