Deutsche Weinexporte 2017/2018

Stand: 09/24/2018

Abb. 1: Export deutscher Weine (Menge)
Der Deutsche Weinbauverband bereitet monatlich die vom Statistischen Bundesamt erfassten Daten zum Weinexport deutscher Weine (Netto-Exporte) auf. Es wird jeweils ein 12-Monats-Zeitraum betrachtet. So liegen schon im Jahresverlauf Informationen zur aktuellen Exportentwicklung vor. Der Vergleich dieser monatlich veröffentlichten Zahlen mit denen der Vorjahreszeiträume von Januar bis Dezember hat durchaus Schwächen, kann jedoch Tendenzen im Export deutscher Weine aufzeigen.

Im Zeitraum Juni 2017 bis Mai 2018 wurden 1.071 Tausend Hektoliter im Wert von 308 Millionen Euro verkauft. Der Durchschnittspreis belief sich auf 288 €/hl. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016/2017 konnte die Exportmenge damit um 8,1 Prozent und der Exportwert um 6,8 Prozent gesteigert werden.

Schon die Exportzahlen für das Jahr 2017 deuteten auf diese positive Entwicklung hin. Der seit 2009 anhaltende Abwärtstrend im Export deutscher Weine scheint zunächst gestoppt. Zwischen 2008 und 2016 hatten sich die Deutschwein-Exporte mengenmäßig mehr als halbiert, die Exporterlöse waren um 33 Prozent zurückgegangen. Die Weltwirtschaftskrise 2008 und die kleinen Ernten in 2010 und 2013, die zu Lieferengpässen geführt hatten, waren entscheidende Gründe für diese Entwicklung.

Die positive Tendenz 2017/2018 kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verluste auf den Auslandsmärkten bis heute nicht zurückerobert werden konnten. Angesichts des auf internationaler Ebene zunehmend wettbewerbsintensiven Handels mit Wein tun sich Exporteure schwer, das ehemals hohe Niveau wiederzuerlangen. Unter diesem Gesichtspunkt lohnt sich ein Blick auf die wichtigsten Exportmärkte für deutsche Weine.


Abb. 2: Netto-Exporte in die USA (QW weiß/Flasche mit Herkunftsangabe)
TOP 10 – America first

Die 10 wichtigsten Exportmärkte stehen für drei Viertel der Ausfuhren (Menge und Wert) von deutschem Wein. Die USA liegen bei diesem Ranking mit weitem Abstand auf Platz 1. Die Vereinigten Staaten stehen für 17 Prozent der Exportmenge und 24 Prozent der Exporterlöse mit deutschen Weinen. Von Juni 2017 bis Mai 2018 wurden in Amerika 181 Millionen Hektoliter (-2,8%) deutsche Weine im Wert von 75 Millionen Euro (-6,6%) abgesetzt. Der im Vergleich zu anderen Ländern hohe Durchschnittspreis von 414 €/hl unterstreicht die Bedeutung des amerikanischen Marktes für deutsche Weinexporteure.

Mit 153 Millionen Hektoliter sind deutsche Weißweine in der Flasche mit Herkunftsangabe für Exporteure das wichtigste Produkt im Handel mit den USA. Abbildung 2 zeigt, dass vor allem das Anbaugebiet Mosel hier sehr erfolgreich ist. 2017 wurden 94 Tausend Hektoliter Weißwein in der Flasche von der Mosel in die Staaten geliefert. Das war immerhin die Hälfte aller in die USA exportierten deutschen Weine.

Auf Platz 2 im Exportranking stehen die Niederlande. Aufgrund des im Vergleich niedrigen Durchschnittspreises von 187 €/hl werden dort trotz der großen Exportmengen (164 Mio. hl) nur rund 10 Prozent (31 Mio. €) aller Exporterlöse generiert.

Deutsche Weine in Norwegen und anderen skandinavischen Länder sehr erfolgreich

Auf Platz 3 nach Wert folgt Norwegen. Hier sind vor allem deutsche Weißweine seit Jahren sehr gut positioniert. Insgesamt gehen 17 Prozent aller Deutschwein-Exporte in skandinavische Länder; fast die Hälft davon werden nach Norwegen geliefert. Auch 2017/18 konnten mit einem sehr hohen Durchschnittspreis von 400 €/hl weitere Absatz- und Umsatzsteigerungen erzielt werden.
Der Export nach Schweden (Platz 7) hat sich stabilisiert, nachdem in den letzten Jahren Rückgänge zu verzeichnen waren. Erfreulich entwickelt sich in den letzten Jahren übrigens die Ausfuhr nach Finnland.


Abb. 3: Deutsche Nettoexporte und die Bedeutung der Liebfrauenmilch (LFM)
Im Top 10 – Exportranking nach Wert folgt das Vereinigte Königreich. Der Absatz in Großbritannien, dem einst wichtigsten Exportland für deutsche Weine, war im letzten Jahrzehnt regelrecht eingebrochen. Zwischen 2005 und 2016 sind die Ausfuhren ins Königreich von 602 auf 96 Tausend hl gesunken - ein Minus von mehr als einer halben Million hl!

Grund für die rückläufigen Exporte sind in erster Linie die gesunkenen Liebfrauenmilch-Ausfuhren. Noch Mitte der 90er Jahre war fast die Hälfte der gesamten deutschen Weinexporte Liebfrauenmilch: über 1,1 Millionen Hektoliter – also eine größere Menge als die heutigen Gesamtexporte. Inzwischen werden gerade noch 152 Tausend Hektoliter Liebfrauenmilch gemeldet. Hauptabsatzgebiet für Liebfrauenmilch war traditionell Großbritannien. Gerade in England war dieses Produkt über Jahrzehnte Synonym für deutschen Wein und durchaus beliebt. Inzwischen hat sich die Nachfrage gewandelt und diese Art von Wein ist nicht mehr populär. Nach den rückläufigen Exportzahlen bis 2016 konnten die Ausfuhren nach England nun wieder gesteigert werden - eine gute Nachricht. 2017/18 wurden 120 Tausend Hektoliter deutsche Weine im Wert von 22 Millionen Euro nach Großbritannien geliefert. Ein Plus von 40 Prozent.

Dennoch bleibt Großbritannien einer der schwierigsten Märkte für Exporteure. Deutsche Weine sind dort noch immer eher im Preiseinstiegspreis gelistet. Der Durchschnittspreis im Export liegt mit 168 €/hl niedrig und verspricht wenig Wertschöpfung. Hinzu kommt die Unsicherheit, die der bevorstehende Brexit mit sich bringt (Freier Warenverkehr, Pfund-Sterling-Schwäche, etc.).


Abb. 4: TOP TEN Exportländer für deutschen Wein (Wert in 1.000 €)
Der Export deutscher Weine nach China läuft seit Jahren erfolgreich: Exportmengen und vor allem Exportwert sind kontinuierlich gestiegen. Damit liegt China inzwischen auf Platz 5 der wichtigsten Destinationen (Wert) für deutschen Wein. Gemessen an der Exportmenge liegt China auf Platz 8. 2017/2018 wurden mit 40.000 Hektoliter (+ 6%) im Wert von 19 Millionen Euro (+17%) erneut Zuwächse realisiert. Der Durchschnittspreis konnte gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 429 €/hl auf 474 €/hl gesteigert werden.

Bei aller Euphorie über diese Entwicklung sollte nicht übersehen werden, dass China ein von allen Wein-Exportländern intensiv bearbeiteter, weil stark wachsender, Markt ist. Entsprechend groß ist die internationale Konkurrenz für deutsche Weinexporteure auf diesem Markt. Mit großem Abstand ist Frankreich (v.a. Bordeaux und Burgund) vor Australien und Kalifornien Marktführer auf dem chinesischen Markt für Importweine. Hinzu kommt, dass schätzungsweise 65-70 Prozent des Weinkonsums aus inländischer Produktion stammen. In kaum einem anderen Land wird die Ausweitung des Weinbaus, auch unterstützt von der Regierung, so intensiv vorangetrieben wie in China. Inzwischen bauen auch internationale Unternehmen, z.B. Château Lafite-Rothschild, Weingüter mit Qualitätsanspruch in China auf.

Erwähnenswert ist unser Nachbarland Polen, wo sich der Weinkonsum seit Jahren dynamisch entwickelt. Die polnische Agentur für den Agrarmarkt vermeldet, dass der Weinkonsum 2017 erneut um sechs Prozent zugenommen hat. Der polnische Weinmarkt habe ein Volumen von 2,6 Milliarden Zloty (608 Millionen Euro). Bei den alkoholischen Getränken machen zwar noch immer Bier die Hälfte und Wodka ein Drittel des Konsums aus. Doch Wein verzeichnet seit Jahren steigenden Absatz. Wachsender Wohlstand und zunehmendes Qualitäts- und Gesundheitsbewusstsein begünstigen die Entwicklung des Weinmarkts, der laut DWI von einem guten Weinangebot im mittleren und unteren Preissegment geprägt ist.

Nach Exportmenge liegt Polen noch vor China und Kanada auf Platz 6 der Destinationen für deutsche Weine. Von Juni 2017 bis Mai 2018 wurden 51 Tausend Hektoliter im Wert von 11 Millionen Euro nach Polen geliefert. Dies entspricht einer Zunahme um 40 Prozent in Menge und Wert und schreibt die positive Entwicklung der vergangenen Jahre weiter fort. Der Durchschnittspreis konnte ebenfalls kontinuierlich auf inzwischen 216 €/hl gesteigert werden.

Weißweine in der Flasche legen wieder zu

Weiße Qualitätsweine in der Flasche sind mit Abstand die wichtigste Kategorie im deutschen Weinexport. Rund 60 Prozent der Deutschwein-Ausfuhren und 70 Prozent der Exporterlöse entfallen auf diese Warenklasse. Mit durchschnittlich 337 €/hl bietet dieses Produkt eine gute Wertschöpfung. Erfreulicherweise konnten Absatz und Umsatz dieser Kategorie um 3 Prozent gesteigert werden und bestätigen den Aufwärtstrend von 2016 auf 2017.

Alles in allem sind die aktuellen Exportzahlen für deutschen Wein positiv. Die rückläufige Entwicklung der vergangenen Jahre im Gesamtexport und in wichtigen Abnehmerländern scheint gestoppt. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt. Die laufende Weinernte 2018 wird hinsichtlich Menge und vor allem Qualität als sehr gut eingeschätzt. Dies dürfte für den Export weiterhin gute Aussichten versprechen.



Download: dwm_20_18_s32_34_Exporte_Rheinschmidt.pdfdwm_20_18_s32_34_Exporte_Rheinschmidt.pdf



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