Allergien vorbeugen - Aktuelle Empfehlungen für die Ernährung im ersten Lebensjahr

Stand: 02/06/2017
Die Wahrscheinlichkeit für ein neugeborenes Kind, an einer Allergie zu erkranken, hängt von der genetischen Veranlagung ab. Wenn ein oder beide Elternteile oder Geschwister Allergiker sind, so ist die Möglichkeit groß, dass das Kind die entsprechende Veranlagung ebenfalls besitzt. Durch eine angepasste Ernährung kann man der Allergie jedoch häufig vorbeugen.

Mit dem Update 2014 der Leitlinie Allergieprävention, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, sind die geltenden Ernährungsempfehlungen für allergiegefährdete Säuglinge dem aktuellen wissenschaftlichen Stand angepasst worden.
Lebensmittel mit besonders starken Allergenen, wie z. B. Kuhmilch, Hühnerei, Fisch oder glutenhaltiges Getreide, werden bewusst in die Ernährung von Säuglingen mit eingebaut. Man geht davon aus, dass das Immunsystem Lebensmittelallergene kennen lernen muss, um sie als harmlos einzustufen.
Die Leitlinie ist auch Grundlage der Handlungsempfehlungen „Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter“ des Netzwerks „Gesund in Leben“.


Erstes Lebenshalbjahr

Grundsätzlich sollten alle Säuglinge mindestens bis zum Beginn des fünften Lebensmonats gestillt werden.
Diese Empfehlung gilt ganz besonders für allergiegefährdete Säuglinge. Stillen in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten senkt deren Risiko, an Allergien zu erkranken.

Hintergrund ist, dass die Darmschleimhaut des Säuglings in den ersten Lebensmonaten noch unausgereift und durchlässig für Allergene ist. Muttermilch ist von Natur aus sehr allergenarm. Zudem ist sie nicht nur optimal auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt, sondern stärkt auch durch Immunglobuline und andere Abwehrstoffe das Immunsystem.

Säuglinge, die nicht gestillt werden können, sollten mit hypoallergener Säuglingsnahrung, so genannte HA-Nahrung, gefüttert werden. HA-Nahrung hat die gleiche Zusammensetzung wie normale Säuglingsnahrung. Der einzige Unterschied ist, dass das Eiweiß in Bruchstücke gespalten ist. Dadurch sinkt das Risiko, dass das unreife Immunsystem des Säuglings das Eiweiß der HA-Nahrung als Fremdstoff erkennt und eine allergische Reaktion auslöst. HA-Nahrung dient der Vorbeugung einer Allergie.

Säuglingsnahrung auf der Basis von Mandelmilch, Sojaeiweiß, Ziegenmilch, Stutenmilch oder einer anderen Tiermilch ist zur Allergieprävention nicht geeignet.

Säuglinge, bei denen bereits eine Allergie besteht, sollten mit Spezialnahrungen, stark hydrolysierten Säuglingsmilchen oder speziellen Aminosäurelösungen, gefüttert werden.


Zweites Lebenshalbjahr

Frühestens mit Beginn des 5. Lebensmonats und spätestens mit Beginn des 7. Monats ersetzt Beikost nach und nach die Muttermilch.
Bei der Einführung der Beikost in den Speiseplan sollte das gleiche Schema eingehalten werden wie bei Kindern ohne Allergierisiko. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel einer Allergie vorbeugt. Deshalb werden Lebensmittel, die häufig eine Allergie auslösen weder gemieden noch werden sie zu einem späteren Zeitpunkt als im Ernährungsplan für das erste Lebensjahr vorgesehen eingeführt.


Für die konkrete Umsetzung heißt dies:
  • Stillen Sie zunächst, wenn möglich, auch nach Einführung der Beikost weiter.
  • Gehen Sie schrittweise vor und führen Sie jedes neue Lebensmittel einzeln und im Abstand von erst einer Woche, später im Abstand von zwei bis vier Tagen ein. Sollten sich Magen-Darmbeschwerden oder Hautreaktionen zeigen, so können diese einem bestimmten Lebensmittel zugeordnet und die weitere Vorgehensweise mit dem Arzt besprochen werden.
  • Es kann zwischen verschiedenen Gemüse- und Obstarten gewechselt werden. Gut verträglich sind im allgemeinen z.B.
    - Gemüse: Möhren, Pastinaken, Kürbis, Brokkoli, Blumenkohl
    - Obst: (gekochter) Apfel, Birne, später auch Pfirsich, Aprikose, Melone
    - Getreide: Reis, Reisflocken
    - Kartoffeln.
  • Zarte Hafer-, Hirse-, Dinkel- und Weizenflocken können in kleinen Mengen eingeführt und dann schrittweise gesteigert werden. Hafer, Dinkel und Weizen enthalten Gluten. Nach heutigem Kenntnisstand ist der Zeitpunkt der Gluteneinführung ohne Einfluss auf das Zöliakierisiko.
  • Geben Sie auch allergiegefährdeten Säuglingen Kuhmilch als Zutat des Milch-Getreidebreis, der nach dem Ernährungsplan als zweite Breimahlzeit ab dem 6. bis 8. Lebensmonat eingeführt wird. Nur wenn sich eine Kuhmilchallergie beim Kind entwickelt hat, muss der Brei mit Muttermilch oder einer Therapiemilch zubereitet werden.
  • Ein- bis zweimal pro Woche sollte Fisch, auch fettreicher Fisch, anstatt von Fleisch gegeben werden. Der Verzehr von Fisch im ersten Lebensjahr scheint sogar Allergien vorzubeugen. Sehr gut geeignet ist Lachs. Er ist grätenfrei und enthält reichlich Omega-3-Fettsäuren.


Quellen und weiterführende Information





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