Weinbau in der Pfalz

Im südlichsten Teil von Rheinland-Pfalz gelegen, erstreckt sich das Weinbaugebiet Pfalz in der oberrheini-
schen Tiefebene über ca. 80 km entlang dem Naturpark Pfälzerwald. Mit einer bestockten Rebfläche
von 23.353 ha (2006) ist die Pfalz das zweitgrößte Anbaugebiet Deutschlands.

Das Gebiet gliedert sich in 2 Bereiche. Der Bereich Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße (10.825 ha) beginnt
im Norden an der rheinhessischen Grenze und erstreckt sich über das Zellertal, Grünstadt und
Bad Dürkheim bis nach Neustadt/Weinstraße. Es schließt sich der Bereich Südliche Weinstraße
(12.527 ha) an. Hier führt der Weg über Edenkoben, Landau, Bad Bergzabern nach Süden an die
französische Grenze.

Im Zellertal bei Deidesheim/DÜW
bei Weyher/SÜW Weintor in Schweigen/SÜW

Standortverhältnisse
Die Pfalz liegt im Wind- und Regenschatten von Haardtgebirge und Wasgau, und insbesondere der
nördliche Teil gilt als Trockengebiet.
Im Durchschnitt der Jahre sind die Niederschläge gleichmäßig über die Monate verteilt. Die Nieder-
schläge des Bereichs Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße liegen zwischen 490 und 600 mm, im Bereich
Südliche Weinstraße steigen sie von 600 bis auf ca. 780 mm an. Der Standort Neustadt/W. weist im
Mittel der letzten 30 Jahre 599 mm auf. Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur liegt in der Pfalz
zwischen 9,8 und 10,4° C. In Neustadt/W. wurde für die letzten 30 Jahre 10,9° C. ermittelt. Hier wird
mit einer mittleren Sonnenscheindauer von 1831 h gerechnet.


Witterungsdaten von Neustadt/W.
(Quelle: Agrarmeteorologie Rheinland-Pfalz, DLR-Rheinpfalz)


Das pfälzische Gebiet erstreckt sich von den Hängen des Haardtgebirges und des Wasgaues nach Osten
zur Rheinebene. Die Weinberge befinden sich in einer Höhenlage zwischen 100 und 350 m ü. NN. Knapp
90 % der Weinberge haben eine Hangneigung unter 10 %, nur sehr wenige Flächen sind über 20 %
geneigt.

Exposition pfälzischer Weinbergslagen
(nach Schorb & al. 1998, verändert)



Hangneigungen in pfälzischen Weinbergslagen
(nach Schorb & al. 1998)



Böden und ihre Ausgangsgesteine im Weinbaugebiet Pfalz
(Quelle: LGB-RLP)


Die pfälzischen Weinbergsböden werden geprägt von Löss (Pleistozän) und vom Buntsandstein (Trias)
des Haardtgebirges und des Wasgaues. Auf zwei Drittel der Standorte finden sich Lehm- und Schluffböden. Diese haben ein hohes Speichervermögen für pflanzenverfügbares Wasser (nutzbare Feldkapazität).
Ungefähr ein Viertel der Weinberge stehen auf Sandböden. Über das Gebiet verstreut finden sich Kalk-
mergelböden (Tertiär) sowie vereinzelt Böden aus der Verwitterung von Rotliegendem (Perm), Basalt und
Schiefer (Devon).

Zirka ¾ der pfälzischen Anbaufläche wurden bisher flurbereinigt.



Rebsortenspiegel der Pfalz 2011 (Stat. LA Bad Ems, 2012)




Rebsorten
Die Weißweinsorten machen in der Pfalz mit 62 % der Anbaufläche den Hauptteil aus. Hier führt die Sorte
Riesling mit einer Anbaufläche von 5567 ha (24 %) die Liste an. Dagegen fiel der Müller-Thurgau von
ehemals über 5000 ha auf knapp 2231 ha (9 %) und nimmt nur noch Rang 3 ein. Er wurde durch die Rotweinsorte Dornfelder verdrängt. Diese hat seit ihrer Klassifizierung
im Jahr 1982 von knapp 200 ha auf 3141 ha (13 %) zugenommen. Hier hatten es die pfälzischen
Winzer verstanden, aus dem in Württemberg gezüchteten Dornfelder eine Kultsorte zu machen. Die Sorte
Portugieser steht seit 2 Jahrzehnten nur noch auf 8 % der pfälzischen Rebfläche. Mit 1609 ha
Anbaufläche befindet sich auch der Spätburgunder unter den roten Spitzenreitern (7 %). Recht neu in
der Liste der ersten 10 Rebsorten ist die Sorte Regent aufgestiegen. Diese Züchtung des Institutes für
Rebenzüchtung Geilweilerhof (Siebeldingen/Pfalz) steht nun auf 621 ha pfälzischer Rebfläche. Als
Zeichen des Klimawandels ist das Hinzukommen der Sorten Saint Laurent, Merlot und Cabernet
Sauvignon zu verstehen.
Die Zunahme der Rotweinsorten ging auf Kosten der weißen Sorten. Neben der Sorte Müller-
Thurgau nahmen in den vergangenen Jahren auch Silvaner, Kerner, Scheurebe, Morio Muskat, Huxel-
rebe, Ortega und Bacchus teilweise sehr deutlich ab. Unter den Weißweinsorten zählten in den letzten
Jahren nur die Burgundersorten Grauer Burgunder (Ruländer) und Weißer Burgunder, sowie Chardonnay
und Sauvignon blanc zu den Gewinnern. Mit 367 ha weißt der Gewürztraminer eine konstante Anbau-
fläche auf.


Entwicklung des Anbaues der wichtigsten Rebsorten in der Pfalz von 1989 bis 2011
(Quelle: Stat. Landesamt Bad Ems – 2012)




Wichtigste Rebsorten in den beiden Bereichen des Anbaugebietes Pfalz 2011
(Quelle: Stat. Landesamt Bad Ems – 2012)






Betriebsstrukturen im pfälz. Weinbau

Struktur
Von den im Jahr 2010 knapp 3000 weinbautreibenden Betrieben in der Pfalz wirtschaften ungefähr die Hälfte im Haupterwerb (Stat. LA Bad Ems, 2012) . Diese bearbeiten mehr als ¾ der pfälzischen Anbaufläche.
Knapp 10 % der Fläche wird nach den Richtlinien des ökologischen Weinbaues (1425 ha) und des kontrolliert umweltschonenden Weinbaues (740 ha) bewirtschaftet.
In den vergangenen Jahren ernteten die pfälzischen Winzer jährlich zwischen 180 und 270 Millionen
Liter Wein. Davon wurde die Hälfte über den Weinhandel verkauft. Ca. 30 % der pfälzischen Erzeugung
haben die Winzer selbst vermarktet, den Rest übernahmen Winzergenossenschaften und Erzeuger-
gemeinschaften.


Blick auf Hambacher Schloss/Neustadt Blick auf Villa Ludwigshöhe/Edenkoben
bei Wachenheim Annaberg bei Bad Dürkheim

Weitere Hinweise:

Aktuelle Witterungsdaten von Neustadt a. d. W.

Entwicklung der Reben in der Pfalz

Reifeverlauf verschiedener Rebsorten in der Pfalz seit 1965

Die letzten Weinjahrgänge in der Pfalz


Download:



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