Quetschies - die perfekte Zwischenmahlzeit?

Stand: 12/16/2016
Obst enthält viele Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und trägt dazu bei, dass man sich fit und wohl fühlt. Empfohlen werden täglich zwei Portionen Obst. Das entspricht zwei vollen Händen. Nicht alle Kinder lieben Obst. Das „verleitet“ Eltern gerne dazu, eine Portion Obst bei ihren Kindern durch einen trendigen „Quetschie“ zu ersetzen.
Sind Quetschies wirklich eine Alternative zu frischem Obst oder selbst hergestelltem Fruchtmus?


Praktisch! Aber sind sie so gesund, wie sie scheinen?

Quetschies sind Fruchtpürees, die in einem Kunststoffbeutel mit Schraubverschluss verpackt sind. Sie kommen bei Kindern gut an, sogar bei kleinen Obstmuffeln. Durch die Gestaltung mit lustigen Bildchen und bunten Farben wird deren Interesse geweckt.
Quetschies sind schnell und einfach zu verzehren und lassen sich gut in der Tasche mitnehmen. Dadurch eignen sie sich optimal für unterwegs.

Aus dieser Sicht spricht einiges für Quetschies. Aber sind die Quetschbeutel ernährungsphysiologisch wertvoll und empfehlenswert im Vergleich zu selbst gemachtem Obstpüree oder gar frischem Obst?

Der „Urtyp“ des Quetschies besteht aus dem Fruchtmus einer oder mehrerer Fruchtarten. Der Kalorien- und Nährstoffgehalt entspricht weitgehend dem der verarbeiteten, je nach Fruchtart, geschälten Früchten. Vitamin C ist oft als Oxidationsschutz zugesetzt.
Viele Quetschies enthalten darüber hinaus Fruchtsaftkonzentrate wie Apfelsaft- oder Traubensaftkonzentrat. Diese Konzentrate bewirken gleich bleibenden Geschmack und Farbe. Sie steigern aber auch die Süße des Produkts und damit auch den Kaloriengehalt. Dabei wird Quetschies i.d.R. kein weiterer Zucker zugesetzt, was von den Herstellern oft werbewirksam genutzt wird. Weitere Zutaten können Getreideprodukte oder Milchprodukte sein.

Die Nährwerte von reinen Fruchtmusquetschies und selbstgemachtem Mus unterscheiden sich kaum. Bei der Herstellung kann ein Teil hitzeempfindlicher Vitamine und sekundärer Pflanzenstoffe zerstört werden. Nicht so bei frischem Obst. Außerdem kann frisches Obst mehr sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe aus den Schalen enthalten.


Essen lernen – nicht mit Quetschies

Auch Obstbrei aus dem Gläschen ist im Nährwertvergleich nicht wertvoller als ein reines Fruchtpüree aus dem Quetschbeutel.
Allerdings lernen Kinder beim Obstbrei vom bzw. mit dem Löffel zu essen und erleben eine richtige Esssituation. Ein Erwachsener wendet sich dem Kind zu, spricht mit ihm und schenkt ihm Aufmerksamkeit. Das ist wichtig für eine gute Entwicklung.
Außerdem sehen die Kinder dabei, was sie essen. Der Quetschbeutel hingegen lässt weder für die Kinder noch die Eltern erkennen, was darin enthalten ist.
Dementsprechend bietet der Verzehr von frischem Obst den weiteren Vorteil, dass Kinder verschiedene Obstarten und deren unterschiedliche Formen, Konsistenzen, Farben und Geschmäcker kennenlernen und zuordnen können.


Gesundheitliche Bedeutung für die Zähne und die Sprachentwicklung

In der Bewertung mit Blick auf die Zahngesundheit schneiden die Quetschbeutel nicht gut ab. Der fruchteigene Zucker und die Fruchtsäuren aus dem Obstpüree können Karies verursachen. Durch Dauernuckeln am Quetschbeutel werden die Zähne vom Fruchtpüree umspült und Zucker und Säuren länger ausgesetzt. Dies greift empfindliche Milchzähne an.

Ab dem ersten Lebensjahr kommen die ersten Zähne und das Essen von weichem, frischem Obst ist gut möglich. Dadurch wird die Kaumuskulatur trainiert. Durch die Beanspruchung der Kaumuskulatur wird die Mundmotorik gefördert. Das fördert das Sprechenlernen der Kinder. Dieser Effekt bleibt beim Saugen von püriertem Obst aus.


Quetschbeutel für Schwangere und Stillende

Mittlerweile gibt es Quetschies nicht nur für Säuglinge, Kleinkinder und Schulkinder, sondern auch für Schwangere und Stillende. Auch für werdende Mütter und Stillende sind Quetschies eher nachteilig. Durch die Hormonumstellung in der Schwangerschaft wird das Zahnfleisch empfindlicher gegen Bakterien. Die Vermehrung von kariesauslösenden Bakterien wird durch häufiges Verzehren von zuckerhaltigen Lebensmitteln gefördert.

Frisches Obst ist die bessere Alternative zum Fruchtpüree aus dem Quetschbeutel. Denn Kauen regt den Speichelfluss an. Im Speichel sind Fluor und Kalzium enthalten, die für die Remineralisierung des Zahnschmelzes sorgen. Zusätzlich verdünnt der Speichel Fruchtsäuren, so dass sie weniger aggressiv sind und Kariesbakterien eher abgewehrt werden.


Preis und Umweltverträglichkeit

Abgesehen von der gesundheitlichen Bewertung sind frisches Obst und auch Obst aus dem Gläschen preiswerter als Quetschies. Ein Quetschbeutel mit 90 g kostet zwischen 0,60 € und 1,00 €. Ein Obstbrei aus dem Gläschen kostet durchschnittlich 0,35 € pro 100 g. Ein Apfel (ca. 150 g) kostet etwa 0,30 €. Das heißt, Quetschies sind doppelt so teuer wie ein Gläschen und etwa vier- bis fünfmal teurer als ein Apfel.
Darüber entfällt bei frischem Obst der verhältnismäßig hohe Verpackungsaufwand.


Fazit

Fruchtpürees aus dem Quetschbeutel sind in vielerlei Hinsicht nicht zu empfehlen und keine Alternative zu frischem Obst. Um frisches Obst für Kinder attraktiv(er) zu machen, lohnt es sich, es kleingeschnitten anzubieten. Mit einem Apfelteiler lassen sich z.B. Äpfel im Handumdrehen in handliche Schnitzchen aufteilen. Als guter Anreiz kann man Obst auch in kreativer Form anbieten, z.B. als Bananenboot oder als Weintrauben-Raupe und kann dem Kunstwerk obendrein lustige Namen geben. Lebensmittel mit Spaßfaktor – diese Strategie der Hersteller von Kinderlebensmitteln kann man auch mit echten Lebensmitteln ab und zu verfolgen und hat oft Spaß an der eigenen Kreativität.


Quellen und weiterführende Informationen





Kerstin.Brandhoff@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken