Erdbeeren aus der Region genießen

Stand: 06/08/2016
Viele können die Erdbeersaison kaum erwarten. Ab Ende Mai dürfen sich Verbraucher i. d. R. über die ersten deutschen Freiland-Erdbeeren freuen.
Erdbeeren sind köstlich und gesund. Und es lassen sich viele leckere Speisen aus Erdbeeren zubereiten.


Herkunft und Anbau

Europa ist die Heimat der kleinfruchtigen Walderdbeere. Sie wurde nachweislich schon in der Steinzeit gesammelt. Auch in römischen Quellen wurde die Erdbeere bereits ausgiebig gewürdigt. Die großfruchtige Gartenerdbeere entstand als zufällige Kreuzung aus zwei amerikanischen Wilderdbeersorten, welche im 17. und 18. Jahrhundert zu uns kamen. Während der Anbau der großfruchtigen Erdbeeren bereits in Frankreich boomte, setzte er in Deutschland erst um 1840 im Raum Baden-Baden ein.

In Deutschland haben im Jahr 2013 circa 2.000 Betriebe Erdbeeren erzeugt. Insgesamt unterhalten diese eine Anbaufläche von gut 19.000 Hektar mit steigender Tendenz. Mit Blick auf die langfristige Bodenqualität bestellen die Erzeuger nicht die gesamte Fläche in jedem Jahr mit Erdbeeren, sondern variieren die Bestellung der Flächen mit anderen Feldfrüchten. Diese Flächen werden als „nicht im Ertrag“ bezeichnet. „Im Ertrag“, also tatsächlich mit Erdbeeren bebaut, sind durchschnittlich 15.000 Hektar.
Bei guter Pflege bringen die Pflanzen zwei bis drei Jahre ertragreiche Ernten. Bei längerer Kulturzeit nehmen Fruchtgröße und Ertrag ab.

Die große Masse der knapp 156.000 Tonnen in Deutschland erzeugten Erdbeeren kommt aus dem Freilandanbau. Die Ernte aus sogenannten „hohen begehbaren Schutzabdeckungen“ (Tunnelfolien, Gewächshäusern) macht mit knapp 5.800 Tonnen nur einen geringen Teil der Gesamterntemenge aus.
Der regionale Schwerpunkt des Anbaus liegt in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Etliche Obstbauern vermarkten ihre Erdbeeren direkt ab Hof oder bieten Verbrauchern an, selber zu ernten.

Neben dem Erwerbsanbau werden Erdbeeren in vielen Hausgärten angebaut.


Sortenvielfalt

Botanisch gesehen ist die Erdbeere keine Beere, sondern eine sogenannte Scheinfrucht. Die eigentlichen Früchte sind kleine Nüsschen, die außen auf den „Beeren” sitzen und manchen Genießer beim Kauen stören. Was uns so gut schmeckt, ist der fleischig verdickte Blütenboden.
Die Vielzahl an Erdbeersorten ist kaum zu überschauen und jährlich erscheinen im In- und Ausland neue Sorten, die von spezialisierten Gartenfachbetrieben gezogen werden. Bei keiner anderen Obstart ist die Sortenbewegung derart lebhaft. Nur wenige Sorten halten sich über eine längere Zeit und manche anfangs überschwänglich empfohlene Sorte ist rasch überholt. Verbraucher suchen beim Einkaufen vergeblich nach Sortenbezeichnungen, denn diese sind in Deutschland weder vorgeschrieben noch üblich. Profis unterscheiden die einzelnen Erdbeersorten auf Grund verschiedener Eigenschaften wie Größe, Form und Farbe, Geschmack, Erntezeit, Transportfestigkeit sowie Eignung für die Tiefkühlung und Verarbeitung. Das Spektrum der Farben reicht von scharlachrot bis dunkelrot, das der Formen von rund bis herzförmig. Übrigens: Die größten und schönsten Früchte haben längst nicht das beste Aroma.
Stellvertretend erwähnt werden hier zwei Sorten: zum einen die sehr bekannte Elsanta mit großen Früchten, gleichmäßiger Form und Farbe, gutem Geschmack, Transportfestigkeit und sehr hohem Ertrag und zum anderen die Nostalgiesorte Mieze Schindler, die relativ klein ist und im Aussehen einer Brombeere oder Himbeere ähnelt. Sie gilt als Praline unter den Erdbeeren, denn sie ist besonders süß und zart.


Wertvolle Inhaltsstoffe

Frische Erdbeeren enthalten mehr Vitamin C als Orangen oder Zitronen. Eine kleine Portion von 125 g der Früchte deckt 77 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin C, mit 40 kcal aber nur 2 Prozent des Energiebedarfs (Bezugsgruppe: Frauen 25 - 50 Jahre, PAL-Wert 1,6). Erdbeeren haben, neben Kirschen, unter allen Obstarten den höchsten Folsäuregehalt. Außerdem enthalten Erdbeeren nennenswerte Mengen an den Spurenelementen Eisen und Mangan.

Aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe enthalten die Beeren hauptsächlich Polyphenole. Diese Substanzen sind hoch wirksame Antioxidantien (das heißt sie fangen schädliche freie Radikale ab) und beugen Krebs, Thrombosen und Herzinfarkt vor. Außerdem schützen sie vor Infektionen. Nachgesagt wird den Erdbeeren auch ein günstiger Einfluss auf die Nierenfunktion und auf einen erhöhten Blutdruck.


Einkauf und Verwendung

Die Früchte sollten gleichmäßig und voll ausgereift sein und noch glänzen. Stiele und Kelchblätter müssen frisch und grün aussehen.

Erdbeeren zählen zu den empfindlichsten Früchten und müssen deshalb entsprechend sanft behandelt werden. Druck vertragen sie überhaupt nicht und gehören deshalb im Einkaufskorb ganz nach oben. Erst unmittelbar vor der Verwendung werden sie in einer Schüssel mit kaltem Wasser gewaschen. Dabei müssen die Kelche dran bleiben, sonst würden die Früchte an Saft und damit an Aroma verlieren.

Am allerbesten schmecken die köstlichen Beeren am Tag der Ernte. Erdbeeren kann man aber auch zwei bis drei Tage im Kühlschrank aufbewahren. Dann sollten sie allerdings vorher nicht gewaschen werden, sonst sind die Aromaverluste zu hoch und die Haltbarkeit reduziert sich ebenfalls.
Tiefgefroren halten sich Erdbeeren zehn Monate. Ganze Früchte für Kuchenbelag frostet man am besten einzeln aufgesetzt auf einer Platte oder einem mit Papier ausgelegten Backblech vor und verpackt sie dann in Dosen oder Gefrierbeutel.

Frische Erdbeeren pur, eventuell mit etwas Zucker oder Sahne, sind ein wahrer Genuss. Auch ein Hauch frisch gemahlener Pfeffer bringt das Erdbeeraroma hervorragend zur Geltung. Serviert bei Zimmertemperatur schmecken sie am besten.

Erdbeeren eignen sich sehr gut zur Verarbeitung in Desserts, Torten oder Konfitüren. Passende Partner dabei sind Joghurt, Milch, Wein, Zitronen- und Orangensaft, ein milder Obstgeist und als Gewürze Vanille und ein wenig Zimt. Zum Garnieren von Erdbeerspeisen eignen sich Blättchen von Zitronenmelisse oder gehackte grüne Pistazien.


Am besten aus der Region

Die Erdbeere ist ein „Weltenbummler“ geworden, denn immer mehr Verbraucher möchten auch außerhalb der deutschen Saison die leckeren Früchte genießen. Um den Appetit der Verbraucher zu stillen, werden etwa 112.000 Tonnen Erdbeeren importiert, vorzugsweise aus Spanien, den Niederlanden, Italien zunehmend auch und Marokko, Israel und Ägypten. Marokko steht inzwischen an fünfter Stelle unter den größten Erdbeer-Exporteuren.

Der Erdbeeranbau in südlichen Ländern hat vor Ort erhebliche ökologische und soziale Auswirkungen. Die Gebiete leiden schon lange unter Wassermangel. Große Mengen des Süßwassers werden für die Bewässerung der für den Export bestimmten Ware verwendet. Die Bodenfruchtbarkeit nimmt ab, der Grundwasserspiegel sinkt, oberflächliche Wasservorräte sind durch Dünger und Nitrat verschmutzt. Das Obst wird in einem gigantischen „Plastikmeer“ produziert. Die Anbauflächen sind von Plastikdächern überspannt, die alle zwei bis drei Jahre gewechselt werden. Es entstehen riesige Plastikabfallberge, oftmals vermischt mit Pflanzenschutzmitteln. Die Sozialstruktur hat sich völlig verändert. Früher waren die Anbaugebiete von kleinbäuerlichen Betrieben geprägt, heute arbeiten hier Landarbeiter zu Niedriglöhnen unter extrem schlechten Arbeitsbedingungen.

Im Sinne einer nachhaltigen Ernährungsweise gibt es viele gute Gründe, auf die heimische Erdbeersaison zu warten. Und das entscheidende Argument: deutsche Erdbeeren aus marktnaher Erzeugung können reifer geerntet werden und sind vollmundiger im Geschmack. Nur vollreif geerntete Früchte haben das arttypische Aroma und den vollen Gehalt an wertgebenden Inhaltsstoffen.


Quellen und weiterführende Informationen
  • Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft mbH (AMI): Erdbeeranbau und –ernte in Deutschland, im Internet unter www.food-monitor.de (Zugriff: 06.06.2016)
  • Günther Liebster: Warenkunde Obst & Gemüse, Band 1 Obst, Haedecke Verlag, Weil der Stadt 2002
  • Spargel-Erdbeeren Springensguth GbR (Hrsg.): Liste mit Erdbeersorten für Erwerbsanbau und Hobbygärtner, im Internet unter www.erdbeeren.de (Zugriff 08.06.2016)
  • Dagmar Dehmer: Bittere Erdbeeren, im Internet unter www. tagesspiegel.de (Zugriff: 07.06.2016)





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